Du betrittst Dein Wohnzimmer und da spielen Kinder mit ihren Bauklötzen. Alles ist unordentlich und Du meckerst rum: "Was ist das denn hier für ein Chaos? Diese Spielerei hört mir aber auf!" Aber pass auf: Wenn Du das Wort anders betonst, wird aus der Spielerei ein Spieler-Ei. Damit hättest Du zumindest die Lacher auf Deiner Seite .
Bei der Spielerei fließt alles weich ineinander. Beim Spieler-Ei macht dein Hals ganz kurz „zu“, bevor das „E“ kommt. Praktisch macht der Sprecher eine Pause vor dem Ei. Wer macht das nicht gerne, Pause vor Eiern ...
Genau das ist der Job von א (Aleph) und ע (Ayin). Sie sind wie kleine Knack-Pausen im Hals vor einem Vokal. In der deutschen Sprache könnten wir mit einem Bindestrich Wörter oder Buchstaben eindeutig trennen (Spieler-Ei). Im Hebräischen haben wir dafür die zwei Werkzeuge א und ע. Sie sind der hebräische Bindestrich-Ersatz.
Das Aleph trennt den Vokal von dem Buchstaben, der vor ihm steht, damit sie nicht zu einem Brei verschmelzen. Ohne diesen „Aleph“ würde aus einem edlen „Ur-Instinkt“ ganz schnell ein übelriechender „Urinstinkt“, was die Situation etwas anrüchig machen würde. Das Aleph sorgt dafür, dass jeder Vokal seinen eigenen, klaren Startpunkt bekommt - und dass nichts stinkt ;)
An Anas Saft nehmen wir uns ein Beispiel:
Was passiert, wenn wir das Aleph (א) „hebräischen Bindestrich-Ersatz“ zwischen das Wort Ananas setzen?
אANאANAS SAFT IST ETWAS, WAS FLIEGT
Hier lesen wir, dass irgendein Tier An Anas Saft ist, was fliegt ...“. Das Aleph in der Mitte trennt das N hart vom A. Der Satz ist verständlich. Da schlürft eine Lerche genüßlich an Anas Saft. Ohne diesen Trenner würde man nämlich folgendes lesen:
אANANAS SAFT IST ETWAS, WAS FLIEGT
Hier lesen wir, dass: „AnanasSaft fliegen kann. Man lernt halt nie aus.
Warum steht am Wortanfang ein Aleph? Vor dem A steht nichts, was vom A getrennt werden müsste. Aber: Am Wortanfang übernimmt das Aleph (א) die Anmoderation. Es tritt ans Mikrofon und ruft: „Herzlich willkommen zum Wortanfang, es folgt für Sie: Ein Vokal! Applaus! Applaus!“ אANANAS
Am Wortanfang kündigen א und ע also einen Vokal an.
In der Wortmitte trennen sie den Vokal vom Buchstaben davor, damit der Laut sauber und eigenständig bleibt.
Am Wortende werden sie meistens a, manchmal o und teilweise gar nicht ausgesprochen.
Warum zwei Buchstaben (א & ע) für den gleichen Sound? Weil sie unterschiedliche Geschichten erzählen! Wie im Deutschen bei Lärche (Baum) und Lerche (Vogel). Ein gekonnter Buchstabentausch und zack – der Baum fliegt weg und der Vogel schlägt Wurzeln.
Machen wir das mit 2 hebräischen Wörtern, die gleich klingen, aber unterschiedlich geschrieben werden: אני und עני
אני (Ani) heißt „ich“.(Aleph-Ani)
עני (Ani) heißt „arm“.(Ayin-Ani)
Dein Auge erkennt sofort: Erst komme ICH, dann kommt die Armut. Und wie du siehst: Das Wort „bin“ fehlt einfach. In der Gegenwart heißt es wörtlich nur: „Ich arm“ - אני עני
Wir spielen das Ganze jetzt an einer echten hebräischen Ananas durch und lernen dabei unseren neuen Konsonanten kennen, das Samech.
א (Aleph): Unter dem Aleph siehst Du einen kleinen Strich und zwei Punkte, das Vokalzeichen für „A“. Da wir aber ohne diese Hilfen lesen wollen, löschen wir sie raus. Übrig bleibt das Aleph – unser Anmoderator. Er steht am Anfang der Bühne und hält den Platz für den Vokal frei. Er sagt uns: „Hallo, hier geht die Show mit einem Vokal los!“ In diesem Fall: mit einem A.
נ (Nun): Nun folgt das Nun, der Buchstabe für das „N“. Auch darunter finden wir im vokalisierten Hebräisch ein Vokalzeichen für ein „A“. Wir lesen immer von oben nach unten: Erst der Konsonant, dann sein Vokal – also NA. Da das Ganze zweimal vorkommt, haben wir unser NANA. Wenn wir die Vokalzeichen löschen, bleiben die zwei N’s als stabiles Gerüst stehen.
ס (Samech): Dieser Buchstabe sieht aus wie ein lateinisches „O“, ist aber ein scharfes, zischendes „S“. Pass auf, dass du das Samech (ס) nicht mit dem Finalen Mem (ם) verwechselst. ס (Samech) ist rund wie eine Ananas-Scheibe.ם (Mem Sofit) ist quadratisch wie eine Saft-Packung.
Tadaaaa: wir erhalten: אננס
Das אnanas-Rätsel
Bei der אnanas zeigt uns das א lediglich an: „Achtung, jetzt bitte einen Vokal sprechen!“ Welchen Vokal genau, das verrät uns das א allerdings nicht. Ohne die kleinen Pünktchen-Hilfen (Nikud) könnte es theoretisch auch „Enanas“ oder „Unanas“ heißen. Das führt am Anfang manchmal zum Rätselraten – aber keine Panik! Da wir das Wort und sein „Skelett“ (א-נ-נ-ס) bereits in unserem Gedächtnis-Archiv gespeichert haben, weiß uanser Auge sofort: Es kann nur Ananas bedeuten.