Was ungemein hilft, wenn du die Gegenwart büffelst: Fünf Schablonen fangen mit einem מ (Mem) in der Gegenwart an. Das Pa'al kommt - wie wir gelernt haben - völlig ohne Vorbuchstabe aus und das Nif'al hat ein נ (Nun) vorne dran. Wir können Gegenwartsformen im Hebräischen also super-leicht erkennen - und bilden. Los geht's. Ab auf die "Intensiv-Station", dem Pi'el.
Nehmen wir uns unsere Wurzel für alles, was mit Lernen zu tun hat, ל-מ-ד (L-M-D). Hauen wir sie durch das Pa'al-Grundmodell, erhalten wir in der Gegenwart: אני לומד (ani lomed, ich lerne)
Lassen wir die Wurzel jedoch durch die Pi'el-Schablone rattern, dann zünden wir den Turbo und die Bedeutung ändert sich von „lernen“ zu „lehren“ oder „unterrichten“. Das Pi'el bildet also "intensive" Verben.
Was fällt auf? Die ל-מ-ד- Wurzel bleibt zusammen, kein anderer Buchstabe stiehlt sich dazwischen. Vor die Wurzel wird ein Mem plaziert und zum Schluß setzen wir unsere Anhängsel hinten dran. Egal welche andere Wurzel wir nun benutzen, wir tauschen lediglich die roten, grünen und blauen Konsonanten aus, belassen die schwarzen Teile wie sie sind und haben unsere Pi'el-Gegenwart.
Das kann ja jeder behaupten! Also testen wir das direkt mit der Wurzel ד-ב-ר (D-B-R), der Allzweckwaffen-Wurzel für alles, was mit Sabbeln, Quatschen oder Sprechen zu tun hat:
meDaBeR (מדבר) – meDaBeRet (מדברת)
meDaBRim (מדברים) – meDaBRot (מדברות)
Das Härtegesetz: Die harten Drei auf Platz Zwei
In den drei Binyanim Pi'el, Hitpa'el und Pu'al herrscht ein strenges Gesetz für den zweiten Wurzelbuchstaben: Wenn sich die Soundwechsler ב, כ oder פ auf diesen zweiten Platz setzen, verwandeln sie sich in ihre harte Version.
Das eiserne Gesetz: Der zweite Wurzelbuchstabe hat IMMER einen Dagesch-Punkt im Bauch! Für die Werkstatt-Praxis bedeutet das bei diesen drei Buchstaben die absolute B-K-P-Garantie:
Aus einem eigentlich weichen ב (V) wird das stahlharte B!
Aus einem eigentlich reibenden כ (Ch) wird das knackige K!
Aus einem eigentlich weichen פ (F) wird das unmissverständliche P!
Hier nun noch die sehnsüchtig erwarteten Ausnahmen von der Regel:
Hier greift sofort wieder unser Werkstatt-Merksatz 1: „Hat die Wurzel hinten 'he', sprichst du hinten A und E!“
Wurzel: ח-כ-ה (Ch-K-H) - warten
Das ה geht in der Mehrzahl stiften, der dritte Platz bleibt also leer. Auf dem 2. Platz wird das כ automatisch zu einem harten K.
m. Einzahl: מחכה - meCHaKE (er wartet)
Hier greift das Härte-Gesetz auf Platz 2!
f. Einzahl: מחכה - meCHaKA (sie wartet – sieht im Alltag unvokalisiert exakt gleich aus!)
m. Mehrzahl: מחכים - meCHaKim (sie warten – das ה fliegt raus)
f. Mehrzahl: מחכות - meCHaKot (sie warten – das ה fliegt raus)
Wenn eine Wurzel ganz hinten ein ע (Ayin) oder ein ח (Chet) hat, passiert etwas magisches: Das Ayin und das Chet verlangen ein A vor sich.
Im normalen Pi'el ist der letzte Vokal der männlichen Einzahl immer ein e – wie bei me-la-m-E-d (מלמד) oder me-da-b-E-r (מדבר). Danach folgt ganz normal der dritte Wurzelkonsonant.
Wenn nun dieser dritte Wurzelkonsonant aber ein ע oder ein ח ist, gibt es ein dickes Problem: Wie soll man das unfallfrei aussprechen? Ein „e“ und dann ein unmöglicher Pausenlaut (der typische „Knacklaut“ im Hals)? Das bricht der Zunge das Genick!
Also kippen die Israelis beim Sprechen einfach blitzschnell ein kurzes a als Schmieröl zwischen das „E“ und den Endbuchstaben Ayin. Man spricht dann „eA“.
Das Ayin: ea + Dekoration in der männlichen Einzahl
Wurzel ש-ג-ע (verrückt machen):
meshage’ könnte es heißen. Das Apostroph ist unser unaussprechliches Ayin. Wir klatschen nun aber ein „A“ vor das Apostroph’ und erhalten laut Grafik: meschageA' (משגע).
Das Ayin hat ja keinen richtigen „Laut“, außer diese kurze „Pause“ im Hals. Daher steht das Ayin am Ende des Wortes praktisch nur als Dekoration herum und man sagt lediglich: ...ea. Das Ayin wird im Alltag nicht ausgesprochen. Nur das A davor.
Das Chet: eaCH in der männlichen Einzahl
Beim Chet schaut es anders aus. Das Chet kann man nämlich wunderbar aussprechen: Ein deutliches, raues „CH“ wie im deutschen Wort „machen“.
Wurzel ש-ב-ח (verbessern): meschabech könnte es heißen. Theoretisch!
Das Chet ist aber neidisch auf das Ayin und verlangt am Ende des Wortes ebenso ein A VOR sich. Also klatschen wir auch hier laut Grafik ein kurzes A vor das CH und erhalten: meschabeAch (משבח). Hier rutschst du also ins Schmieröl-A und kratzt ganz am Schluss das CH trocken ab!
Die weibliche Einzahl: Der Heck-Umbau
Bei den Mädels greift das Problem eine Station später, weil hier ja noch das normale Universal-Heck -et (wie bei melamedet) andockt Weil das ע und das ח so gierig nach dem A-Sound sind, müsste es dann theoretisch wie folgt heißen: meshagea'et.
Mal ehrlich: So klingt eher ein euphorisch-motivierter Matrose, der aber leider vergessen hat, dass er seekrank ist!
Um diesen Zungenbrecher zu verhindern, wird das Ganze radikal zusammengestaucht auf ein knackiges -a'at bzw. -aCHat:
Wurzel ש-ג-ע: - meschagA'at (משגעת)
Wurzel ש-ב-ח: - meschabAchat (משבחת)
In der Mehrzahl kommen unsere bekannten Universal-Endungen -im und -ot zum Einsatz. Da diese Endungen mit einem Vokal anfangen, löst sich das Hals-Problem von ganz alleine auf.
Du nimmst einfach den nackten Stamm (meshag- bzw. meschab-), machst den kurzen Knacklaut (beim Ayin) oder das kurze Kratzen (beim Chet) und hängst die Endung dran:
Wurzel ש-ג-ע: meschag'im (משגעים) / meschag'ot (משגעות)
Wurzel ש-ב-ח: meschabchim (משבחים) / meschabchot (משבחות)
WOW!
Das Pa'al und Pi'el hast Du nun erfolgreich in der Gegenwart durchschippert. Weiter geht's!
Wer einen Professor für angewandte Experten-Grammatik fragt, bekommt etwas vom „gestohlenen Patach“ (auf Hebräisch: Patach Gnuva / פַּתָּח גְּנוּבָה) zu hören. Das ist einfach die wissenschaftliche Bezeichnung für unser heißgeliebtes Schmieröl-A! Und das Geheimnis dahinter ist ein rein technisches Platzproblem, das wir in der Grafik unter die Lupe nehmen:
Der Werkssound (Roter Kasten):
Laut normalem Pi'el-Bauplan müsste unser Wort am Ende auf ein „e“ und den Endkonsonanten enden – genau wie me-la-m-E-d (מלמד). Es müsste theoretisch also exakt meschabech heißen. Da aber die Kombination aus „e“ + „CH“ für einen israelischen Gaumen ein absoluter Zungenbrecher ist, kommt das Patach (der kleine waagerechte A-Strich ַ ) als Abhilfe in Aktion!
Das Platzproblem: Dieses Schmieröl-A gehört vom Sound her genau zwischen das „e“ und das „CH“. Im roten Kasten siehst du das Dilemma: Eigentlich müsste man das Patach direkt mit unter das ב (Bet) quetschen, wo schon die zwei Punkte (das E) sitzen. Aber zwei Vokalzeichen übereinander unter einem einzigen Buchstaben – das geht in der hebräischen Schrift einfach nicht!
Um das Schriftbild sauber zu halten, schiebt man das Patach-Strichlein einfach einen Platz weiter nach links unter das ח (Chet). Wie du im grünen Kasten am schwarzen Pfeil siehst, wird die Reihenfolge beim Sprechen nun einfach magisch umgedreht: Das Patach steht zwar ganz links unter dem Chet, wird aber blitzschnell vor dem Chet gesprochen!
Statt „CH-A“ heißt es nun „A-CH“ – und du liest auf der rechten Seite ganz flüssig: meschabeAch (משבח). In unserer Werkstatt wissen wir ab jetzt: Das gestohlene Patach ist nichts anderes als ein cleverer Ausweich-Parkplatz für unser Schmieröl-A.
Hier gibt es eine fantastische Nachricht für die Werkstatt: Im Pi'el-Raum schmilzt die Mitte nicht weg! Das Vav oder Jod bleibt im Pi'el felsenfest als echter, harter Konsonant in der Mitte stehen.