Nach dem Pa'al und dem Pi'el betreten wir nun das Deck des absoluten Kapitäns der sieben Schablonen: Das Hif'il.Wenn das Pa'al die normale Form ist und das Pi'el die intensive, dann ist das Hif'il die „Chefsache“. Das Hif'il sagt anderen, was sie tun sollen. Es ist die Schablone des Veranlassens (Kausativ).Ein einfaches Beispiel: Wenn ich spreche, ist das normales Pa'al. Wenn ich aber diktiere, veranlasse ich, dass ein anderer schreibt. Chefsache eben! Im Gegensatz zu den vorherigen Schablonen, dürfen wir im Hif'il mal so richtig in "Ausnahme-Gewässern" segeln.
Nehmen wir uns die Wurzel: ז-מ-נ (Z-M-N). Alles an dieser Wurzel hat im Alltag mit Zeit zu tun. Das Wort für „Zeit“ heißt "Sman" und wird זמן geschrieben (der letzte Buchstabe ist das NUN-Sofit, also der Endbuchstabe für das נ) . Irre, oder? Die drei Wurzelbuchstaben zusammen ergeben ein "Nomen/Hauptwort/Substantiv". So einfach ist Hebräisch.
Wenn wir diese Zeit-Wurzel nun in unsere Hif'il-Chefsessel-Schablone jagen, kommt das Wort masmin heraus. Das bedeutet „einladen“ (oder im Restaurant auch „bestellen“).
„Häh? Was hat denn bitteschön "einladen'" mit Zeit zu tun?“
Ganz einfach: Wenn du jemanden einlädst, veranlasst du, dass er zu einer ganz bestimmten Zeit erscheint (oder erscheinen darf). Du managest seine Zeit. Ein absolut typisches Hif'il.
Von den Ausnahmen abgesehen, ist die Grundregel sehr logisch aufgebaut. Wenn du dir die Grafik anschaust, fallen dir sofort zwei magische Veränderungen auf, die für das Hif'il in der Gegenwart absolut typisch sind:
Der Bug-Leuchtturm: Vorne vor der ersten Wurzelstelle steht wieder unser Gegenwarts-מ (Mem). Im Gegensatz zum Pi'el (me-) wird es im Hif'il aber fast immer als „ma-“ ausgesprochen!
Das magische Infix: Zwischen dem mittleren (2.) und dem letzten (3.) Wurzelkonsonanten schmieden wir ein י (Jod) ein. Dieses Jod bringt den typischen, unüberhörbaren „i“-Sound in die Schablone!
Daraus ergibt sich folgende Gussform für die Gegenwart, unvokalisiert für dein den Hebräisch-Alltag (wo das Jod uns als praktischer Vokalersatz den Weg weist!):
Einzahl männlich
Vorne das ma-, in der Mitte das Jod-i, hinten nackt: mazmin (מזמין – er lädt ein / bestellt)
Einzahl weiblich
Hier gibt es im Hif'il niemals die Endung -et! Die Mädels vertrauen hier immer fest auf das ה (He) am Heck, das als -a ausgesprochen wird. Vorne das ma-, das Jod-i bleibt, hinten das -a: mazmina (מזמינה – sie lädt ein / bestellt)
Mehrzahl männlich
Vorne das ma-, das Jod-i bleibt sturköpfig sitzen, und dann flanschen wir das Universal-Heck ים (-im) hinten dran: mazminim (מזמינים – sie laden ein / bestellen)
Mehrzahl weiblich
Vorne das ma-, das Jod-i bleibt dort kleben, und das weibliche Universal-Heck ות (-ot) verschönert die Sache: mazminot (מזמינות – sie laden ein / bestellen).
Zur Erinnerung: Unsere drei Platzhalter פ - ע - ל (P-'-L). Der dritte Platzhalter in dieser Reihe ist das ל (Lamed). Wenn wir nun eine Wurzel nehmen, tauschen wir deren dritten Buchstaben mit dieser „Lamed-Stelle“ aus. In unserem Fall ist der dritte Konsonant ein ה. Also ist an der dritten Stelle (der Lamed-Stelle) das ה zu finden. Daher nennt man sie nicht "Dritte-Stelle-ה-Verben", sondern einfach "Lamed ה " oder abgekürzt: ל''ה.
Wenn wir eine Wurzel nehmen, die am Ende ein ה (He) hat, schmeißt dieses He das sonst so typische י (Jod) im Präsens eiskalt aus der Schablone. Der ganze Sound verändert sich komplett und klingt wie die Lamed-He-Wurzeln im Pa'al - nur mit einem "ma" davor. Schauen wir uns das an der Wurzel ר-א-ה (R-A-H) – alles rund ums „Sehen“. Im Hif'il bedeutet es „zeigen“ (jemanden sehen lassen).Daraus ergibt sich folgende Gussform für die Gegenwart:
Bei allen vier Formen gilt: Das typische Jod-i (unser magischer Infix) vor dem 3. Wurzelkonsonanten fällt weg. Das Jod-i, was Du in der Mehrzahl siehst, gehört zum Universal-Heck "-im". Das fällt natürlich NICHT weg.
Einzahl männlich
Das ה am Ende bleibt im Schriftbild zwar stehen, wird aber zu einem reinen Vokalträger für ein langes „-e“: mare (מראה – er zeigt). Das Aleph bleibt stumm.
Einzahl weiblich
Jetzt kommt der absolute Knaller für das alltägliche Hebräisch ohne Nikud: Die weibliche Form wird haargenau gleich geschrieben wie die männliche Form! Das ה bleibt am Heck kleben, wird jetzt aber als „-a“ ausgesprochen: mar'a (מראה – sie zeigt). Das Aleph bleibt stumm.
Mehrzahl männlich
Hier bricht das Heck nun wirklich auf! Das ה fliegt raus und macht Platz für das Universal-Heck ים (-im).: mar'im (מראים – sie zeigen). Das Aleph bleibt stumm.
Mehrzahl weiblich
Auch hier verabschiedet sich das ה der Wurzel, und das weibliche Universal-Heck ות (-ot) rückt direkt an den zweiten Wurzelbuchstaben heran: mar'ot (מראות – sie zeigen). Das Aleph bleibt stumm.
Nach den Lamed-He-Verben zerren wir jetzt die Hohlen Wurzeln auf die Werkbank. Sie werden auch ע''ו oder ע''י-Verben genannt, da das Vav oder Jod auf der Ayin-Stelle sitzt bei dem Platzhalter פ - ע - ל
Das ו (Vav) und י (Jod) sind extrem flüchtig, wenn sie in der Mitte der Wurzel sitzen. Sobald sie in die Hif'il-Schablone gepresst werden, lösen sie sich in der Gegenwart in Luft auf. Die Wurzel ist in der Mitte quasi „hohl“, was du in der Grafik am leeren grünen Kreis sehen kannst.
Nach der Lücke (dem grünen Kreis) setzen wir das Hif'il-typische Infix-Jod hinein.
Und noch etwas passiert am Bug: Unser stolzer Gegenwarts-Leuchtturm (das מ) verändert seinen Vokal! Im Gegensatz zur Grundregel wird das Mem hier nicht mit ma-, sondern knallhart als „me-“ ausgesprochen – und zwar als volles, langes E wie im deutschen Wort „Leere“ (nicht flüchtig!). Schauen wir uns das an zwei absoluten Parade-Beispielen aus dem Alltag an:
Alles rund um „aufstehen“ (im Pa'al: kam = er stand auf).
Die Hif'il-Bedeutung: Etwas zum Aufstehen bringen - „aufstellen / errichten / gründen“ (z.B. ein Currywurst-Imbiss oder eine Website, die auf einfache Weise Hebräisch erklärt).
Die Gussform für die Gegenwart:
Einzahl männlich: Vorne das mutierte me-, die Mitte ist hohl, es folgt das Infix-Jod hinten bleibt es nackt: mekim (מקים – er gründet). Das „ים-“ am Ende von מקים ist hier der letzte Wurzelbuchstabe (Mem) plus das Infix-Jod – es ist NICHT das Universal-Heck für die männliche Mehrzahl!
Einzahl weiblich: Die Mädels flanschen das Universal-Heck ה (-a) an: mekima (מקימה – sie gründet)
Mehrzahl männlich: Das männliche Universal-Heck ים (-im) kommt ans Wortende: mekim-im (מקימים – sie gründen).
Mehrzahl weiblich: Und die Damenrunde schließt mit dem weiblichen Heck ות (-ot) ab: mekim-ot (מקימות – sie gründen)
Alles rund um „verstehen, unterscheiden"
Die Hif'il-Bedeutung: „verstehen“ Du wirst sehen: Obwohl die Ur-Wurzel in der Mitte ein Jod statt eines Vavs hat, ist die Gussform für die Gegenwart haargenau identisch aufgebaut!
Die Gussform für die Gegenwart:
Einzahl männlich:
mevin (מבין – er versteht)
Beispielsatz für die Praxis: Ani mevin hakol. (אני מבין הכל – Ich verstehe alles.)
Einzahl weiblich:
mevina (מבינה – sie versteht)
Mehrzahl männlich:
mevinim (מבינים – sie verstehen)
Mehrzahl weiblich:
mevinot (מבינות – sie verstehen)
Schauen wir uns den NUN-Hammer bei der פ''נ-Wurzel נ-כ-ר (N-K-R) an. Hier dreht sich alles rund ums „Wiedererkennen“. Im Hif'il bedeutet es „jemanden bekannt machen“ oder jemanden vorstellen!
Du siehst an der Grafik schon sofort: Der erste Buchstabe im roten Kreis ist weggehämmert worden, weil das "ma" vorne dran steht.
Einzahl männlich
Das נ am Anfang wird durch das ma- weggehämmert und kracht in das כ rein, wo es den Dagesch-Punkt hinterlässt – zumindest in der vokalisierten Schreibweise. Da wir aber im Alltag durch die Grammatiklandschaft fahren, ohne Punkte zu kassieren, steht das כ ohne Punkt dort und wird dennoch als ein steinhartes K ausgesprochen! Das מ (Mem) dockt direkt am כ (Kaf) an. Vor dem dritten Wurzelkonsonanten sitzt wie gewohnt das magische Infix-Jod-i:
makir (מכיר – er kennt / stellt vor) Das Verb bedeutet im Alltag sowohl „kennen“ (eine Person/einen Ort) als auch „jemanden vorstellen“.
Einzahl weiblich
Die Mädels flanschen wie gewohnt ihr Universal-Heck ה (-a) an den verbleibenden Endbuchstaben: makira (מכירה – sie kennt / stellt vor)
Mehrzahl männlich: Hier kommt wie gewohnt das männliche Universal-Heck ים (-im) ans Wortende: makirim (מכירים – sie kennen / stellen vor)
Mehrzahl weiblich: Und die Damenrunde schließt das Ganze mit dem weiblichen Heck ות (-ot) ab: makirot (מכירות – sie kennen / stellen vor)
... genau so, wie manche Politiker im Bundestag. Der erste Wurzelbuchstabe ist ein י (Jod) – wir befinden uns also auf der פ-Stelle unserer Platzhalter (פ - ע - ל). Ein Jod am Anfang verhält sich absolut missgünstig gegenüber der Hif'il-Schablone. Und bei so einem volldepperten Verhalten greift unsere goldene Werkstatt-Regel:
Jo! Das Jod erhält einen Ordnungsruf!
Das י (Jod) macht sich lang und verwandelt sich in ein ו (Vav) mit dem Sound „o“. Wenn nun das Hif'il-מ davor steht, wird aus dem normalen Gegenwarts-Leuchtturm ma- ganz logisch ein „mo-“! Der Rest bleibt, wie er ist.
Schauen wir uns diesen "Ordnungsruf" an unserem Alltags-Klassiker an: Der Wurzel י-ד-ע (J-D-A). Im Pa'al dreht sich alles ums Wissen (jode'a = er weiß). Im Hif'il (der Chefsache des Veranlassens) bedeutet es: Jemanden wissen lassen, also informieren, mitteilen oder benachrichtigen.
Einzahl männlich
Vorne das Hif'il-מ-, gefolgt vom Vav, in der Mitte das unerschütterliche ד (Dalet). Das „A“, das du am Ende sprichst, sitzt in Wahrheit zwischen dem Infix-Jod und dem ע (Ajin). Das Ajin selbst ist im modernen Alltag (fast) nur noch Deko und absolut stumm!
modia (מוֹדִיעַ – er informiert / teilt mit) – gesprochen: modia, und zwar hinten ganz flüssig und weich durchgezogen wie bei Papa.
Einzahl weiblich
Wie gewohnt wird das weibliche Universal-Heck ה (-a) hinten angetüddelt. modi'a (מוֹדִיעָה – sie informiert / teilt mit). Hier fungiert das Ayin als kurze Pause zwischen dem Jod und dem He, der sogenannte Glottisschlag (Wie beim Spiegelei, wo vor dem Ei eine Pause eingelegt wird. Ohne Pause wäre es eine Spiegelei.)
Mehrzahl männlich
Nach dem Ayin wird ganz normal das männliche Universal-Heck ים (-im) angesetzt:
modi'im (מוֹדִיעִים – sie informieren)
Mehrzahl weiblich
Die Damenrunde schließt das Ganze wie gehabt mit dem weiblichen Universal-Heck ות (-ot) ab:
modi'ot (מוֹדִיעוֹת – sie informieren)